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Gesundheit & Medizin
Ausgabe vom 7. Oktober 2008 Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Wer auf Geld baut..." © OTS 06.10.2008 18:02:01 - "Wer auf Geld baut, baut auf Sand." So kommentiert der Papst die Finanzkrise. Dabei ist ihm wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass er in doppelter Weise recht hat. Nicht nur mit der philosophischen Erkenntnis, dass es viel wichtigere Güter gibt als die materiellen, die derzeit so rapide an Wert verlieren. Sondern auch rein ökonomisch. Denn Hauptursache der akuten Krise war zweifellos die Überproduktion von Geld. Fast alle Regierungen - von der amerikanischen bis zur österreichischen - haben auch in Hochkonjunkturjahren aus Angst vor den Wählern Budgetdefizite produziert, also unnötigerweise Geld in Umlauf gebracht, das durch keine Sachwerte gedeckt ist. Zusätzlich haben auch etliche Notenbanken - primär die amerikanische - populistisch billiges Geld in den Markt gepumpt.
(live-PR.com) - All dieses Geld wurde, wie wenn es Heroin für einen Süchtigen wäre, rundum genommen und konsumiert (manche Ökonomen sagen statt Menschen Märkte, aber Märkte sind ja nichts anderes als die Summe menschlichen Handelns). Nur wenige Experten haben zu warnen versucht und vieles richtig prophezeit. Etwa in Österreich die Goldstandard-Gläubigen (zum Beispiel das kleine Institut für Wertewirtschaft) oder der letzte große Ökonom des Landes, Erich Streissler, der in dieser Zeitung den konstant weit über ihre Verhältnisse lebenden Amerikanern 40 magere Jahre prophezeit hat (was ihm damals jedoch kaum jemand geglaubt hat).
Völlig daneben liegen hingegen jene, die im Staat nicht eine Ursache der Krise, sondern eine taugliche Vorbeugung dagegen sehen. Weltweit ist staatliches Wirtschaften jedoch viel früher und intensiver in Krisen gerutscht als privates.
Andere wieder erklären die "Gier" zur Hauptursache. Sie könnten freilich statt "Gier" genauso gut "Menschen" sagen: Denn wenn zu viel Geld vorhanden ist, wird das von den Menschen immer in unsinnige Projekte investiert; dann werden Kredite aufgenommen, die man nie zurückzahlen kann; dann kauft jeder ein Eigenheim; dann treiben Förderstaaten die Ölpreise ins Unermessliche; dann kann selbst eine Tulpenzwiebel sündteuer werden, wie einst in den Niederlanden geschehen; dann bieten Banken für eine winzige Ein-Mann-Homepage 300 Millionen Schilling. Wie es vor neun Jahren dem Tagebuchautor widerfahren ist, welcher jedoch Angst bekommen hat, Mittäter an einem betrügerischen Pyramidenspiel zu werden . . .
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OTS0228 2008-10-06/17:58
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