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Nicht jede Wohnung eignet sich für eine WG - Alle Mieter sollten im Vertrag stehen

Tolerante Nachbarn, große Küche, viele Zimmer
Tolerante Nachbarn, große Küche, viele Zimmer ©ddp

ddp) 13.05.2008 07:47:01 - Traumwohnung für Wohngemeinschaft gesucht: Sonnendurchflutete Schlafzimmer mit Holzdielen, eine große Küche mit viel Platz für Esstisch und Kühlschrank, eine Turnhalle als Wohnzimmer und tolerante Nachbarn. Und zusätzlich sollte das Luftschloss natürlich im Zentrum des angesagtesten Stadtbezirks liegen.


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Hamburg (ddp). Traumwohnung für Wohngemeinschaft gesucht: Sonnendurchflutete Schlafzimmer mit Holzdielen, eine große Küche mit viel Platz für Esstisch und Kühlschrank, eine Turnhalle als Wohnzimmer und tolerante Nachbarn. Und zusätzlich sollte das Luftschloss natürlich im Zentrum des angesagtesten Stadtbezirks liegen. Leider sind derart perfekte Domizile eher selten, so dass die Flexibilität der zukünftigen WG-Bewohner schon bei der Wohnungssuche zum ersten Mal auf die Probe gestellt wird. Einige Kompromisse braucht es meist, aber nicht überall sind sie sinnvoll.
Wenn man zum Beispiel bereits bei der Nachbarschaft der Wohnung Bauchschmerzen kriegt, dann hört man besser auf seinen Bauch. Jens Jeep, Co-Autor von «Das WG Buch», rät darum: «Die zukünftigen WG-Bewohner sollten sich gut überlegen, ob sie wirklich in das Haus passen. Eine Wohngemeinschaft wird heute zwar nicht mehr automatisch mit einer Kommune gleichgesetzt, und die Rentner von heute sind auch nicht mehr die selben wie vor 30 Jahren. Aber Pionier zu sein, ist immer noch nicht einfach.«
An welcher Straße die Wohnung liege, sei weniger entscheidend als ihr Schnitt, meint der WG-Experte weiter. Denn die Raumaufteilung habe einen direkten Einfluss auf das Zusammenleben. «Wichtig ist vor allem, dass die Wohnung einen Raum hat, in dem man sich gemeinsam aufhalten kann - zum Beispiel eine große Küche», sagt Jeep. Der Flur hingegen eigne sich definitiv nicht als Gemeinschaftsraum, weil der Lärm direkt in die angrenzenden Zimmer dringe. Im besten Fall habe die Wohnung zusätzlich zur großen Küche ein Wohnzimmer. «Interessanter noch als ein riesiges Wohnzimmer ist aber für eine WG die Anzahl und die Größe der Zimmer. Die ideale WG-Wohnung ist eine klassische Altbauwohnung mit vielen einzelnen Zimmern», meint Jeep. Die minimale Zimmergröße wiederum hängt von den Ansprüchen der Einzelnen ab, aber unter zehn Quadratmetern wird es den meisten wohl eher zu eng.
Mit der richtigen Raumaufteilung kann man auch klassischen WG-Konflikten vorbeugen. «Neben dem Bad sollte die Wohnung eine separate Toilette haben», sagt Jeep. Dann halbiere sich die Schlange vor dem Bad, und beide Geschlechter kämen auf ihre Rechnung: »Denn meist brauchen ja Frauen länger im Bad und Männer länger auf der Toilette.» Für das friedliche Nebeneinander von Rauchern und Nicht-Rauchern sei außerdem ein Balkon praktisch. Der WG-Experte rät weiter: «In den Zimmern sollte man zudem auf eine Trittschalldämpfung achten. Das ist bei den Holzdielen in Altbauwohnungen etwas schwierig. Man kann sich aber überlegen, ob man aus Rücksicht auf die Nachbarn nicht zumindest in den Gemeinschaftsraum einen Teppich legt.«
Wenn man die passende Wohnung schließlich gefunden hat, heißt das aber noch lange nicht, dass man als Wohngemeinschaft auch den Zuschlag vom Vermieter bekommt. «Viele Vermieter ziehen Familien oder kinderlose Paare einer Wohngemeinschaft vor, weil sie bei WGs mit mehr Lärm und Unruhe rechnen», meint Eckard Pahlke, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. Zwar gibt es auch Wohnungen, die spezifisch für Wohngemeinschaften ausgeschrieben sind. «In solchen Fällen erhofft sich der Vermieter aber meist eine höhere Gesamtmiete», verrät Jeep.
Am besten sucht man sich also eine Wohnung, die nicht als WG-Wohnung inseriert ist, und überzeugt dann den Vermieter mit viel Charme, dass die WG perfekt in das Haus passt. «Es gibt immer wieder Vermieter, die ein Herz für Wohngemeinschaften haben», bestätigt Pahlke. Beim Gespräch mit dem Vermieter darf aber kein Mitbewohner unterschlagen werden, denn Schummeln ist nicht erlaubt: Der Vermieter muss vor Vertragsabschluss genau informiert sein, wie viele Personen in der Wohnung leben werden. «Mit einer ehrlichen Kommunikation erspart man sich viel Ärger», weiß Pahlke.
Er rät auch, beim Abschluss des Mietvertrages darauf zu achten, dass alle WG-Bewohner als Mieter im Vertrag stehen. »In einer Zusatzklausel sollte man zudem festhalten, dass die Wohngemeinschaft einzelne Mieter problemlos auswechseln kann», sagt Pahlke. So seien die einzelnen Mieter am besten geschützt. Wenn aber der Vermieter der Traumwohnung einen einzelnen Ansprechpartner und Mieter vorzieht, dann ist auch hier ein Kompromiss zu überlegen. «Am besten schickt man in diesem Fall den Nettesten mit dem dicksten Bankkonto vor, der mit dem Vermieter den Hauptmietvertrag abschließt», sagt Jeep. Die anderen WG-Bewohner schließen dann mit dem Hauptmieter je einen Untermietvertrag ab. Man muss aber bedenken, dass in dieser Konstellation im Streitfall der Hauptmieter im Vorteil gegenüber den Untermietern ist.
Damit ein Streitfall möglichst nicht eintritt, sollte man sich nicht nur die Räumlichkeiten, sondern vor allem auch die zukünftigen Zimmernachbarn genau anschauen. «Denn», sagt WG-Experte Jeep, «weit schlimmer als die falsche Wohnung sind die falschen Mitbewohner.»
(ddp) © ddp




 

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