(Feature) Warnwesten sind preiswerte Lebensretter - Experten empfehlen Mitnahme im Auto für alle Insassen --Von ddp.djn-Korrespondent Norbert Michulsky--
(© ddp) 11.09.2007 07:12:06 - Sie sind handlich, kosten höchstens zehn Euro, können Leben retten und fehlen doch in vielen deutschen Autos: Warnwesten. «Wer bei einem Unfall oder einer Panne seinen Wagen mit reflektierender Weste verlässt, ist für andere Verkehrsteilnehmer wesentlich besser zu sehen als ohne Weste», schildert Bettina Mayer vom TÜV Süd die Vorzüge der Plastikjoppen. Die Westen sind in Deutschland nicht vorgeschrieben. Doch wer ins europäische Ausland fährt, muss oft mit empfindlichen Geldbußen rechnen, wenn sie im Auto fehlen.
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München (ddp.djn). Sie sind handlich, kosten höchstens zehn Euro, können Leben retten und fehlen doch in vielen deutschen Autos: Warnwesten. «Wer bei einem Unfall oder einer Panne seinen Wagen mit reflektierender Weste verlässt, ist für andere Verkehrsteilnehmer wesentlich besser zu sehen als ohne Weste», schildert Bettina Mayer vom TÜV Süd die Vorzüge der Plastikjoppen. Die Westen sind in Deutschland nicht vorgeschrieben. Doch wer ins europäische Ausland fährt, muss oft mit empfindlichen Geldbußen rechnen, wenn sie im Auto fehlen.
In Deutschland müssen Autofahrer bei privaten Fahrten bislang keine Warnweste mitführen. Obwohl die Verkehrs- und Innenministerkonferenzen dringend raten, für Pannen und Unfälle eine Warnweste im Auto zu deponieren, gibt es noch kein entsprechendes Gesetz. Vorgeschrieben ist das Zubehör lediglich in gewerblich genutzten Fahrzeugen. Was dabei vielfach nicht bekannt ist: «Das gilt auch für den Dienstwagen eines Rechtsanwaltes oder Arztes», betont Maximilian Maurer vom ADAC.
In vielen Ländern Europas gibt es eine Westen-Pflicht: In Belgien, Spanien, Italien und der Slowakei muss jeder, der wegen einer Panne sein Auto verlässt und sich auf der Fahrbahn oder dem Randstreifen aufhält, eine Warnweste tragen. Wer ohne reflektierende Weste erwischt wird, zahlt in Spanien bis zu 90 Euro, in Italien mindestens 35 Euro, in Belgien und der Slowakei mindestens 50 Euro Strafe. In Österreich wird unter Umständen schon ohne Panne ein Bußgeld fällig. Wer dort in eine Polizeikontrolle gerät und keine Warnweste im Auto hat, zahlt in der Regel 14 Euro. In Portugal müssen nur Fahrer eines dort zugelassenen Autos eine Warnweste griffbereit haben. In Finnland, Norwegen und Kroatien muss zwar eine Weste an Bord sein, ein Bußgeld droht bei einem Verstoß aber bislang nicht.
Doch Warnweste ist nicht gleich Warnweste: Sie sollte rot, gelb oder orange sein und der europäischen Norm EN 471 entsprechen, raten die TÜV-Süd-Experten. Die Norm unterteilt das textile Zubehör in drei Klassen. Im Straßenverkehr sollte Klasse 2 getragen werden. Die Klassen unterscheiden sich in der Mindestgröße des fluoreszierenden Hintergrundmaterials und der reflektierenden Streifen. Außerdem sollte man auf die richtige Größe achten. Für Kinder gibt es spezielle Anfertigungen.
«Beim Kauf sollte man sich nicht nur an einem vermeintlich günstigen Preis orientieren», fordert TÜV-Süd-Fachfrau Mayer: «Bei Kontrollen in Spanien entsprachen 80 Prozent der mitgeführten Warnwesten nicht den gesetzlichen Bestimmungen.» Auch in Deutschland sind nach Schätzungen 40 bis 50 Prozent der Warnwesten mangelhaft. Häufigster Grund: Der Fluoreszenzgrad ist zu niedrig, das heißt, die Westen reflektieren nicht genug Licht. Besonders Billig-Westen aus Fernost entsprechen oft nicht dem Gesetz. Die TÜV-Süd-Experten empfehlen daher, lieber etwas mehr zu investieren und im Fachhandel zu kaufen.
Geprüfte und zugelassene Warnwesten sind mitunter schwer zu erkennen. Oft sind auch auf die gefälschten Schnäppchen CE-Zeichen und die Normangabe «EN 471» aufgedruckt, obwohl sie nie geprüft wurden. «Wichtig ist daher der Blick auf die Beschriftung der Verpackung», gibt Bettina Mayer Entscheidungshilfe: «Wenn dort eine Gebrauchsanweisung aufgedruckt ist und die Farbechtheit bis zu 25 Waschgängen garantiert wird, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine zugelassene Warnweste. Auf dem Etikett sollten außerdem der Name des Herstellers, die Produktbezeichnung, die Größe und ein Piktogramm aufgedruckt sein.»
Warnwesten gehören nicht in den Kofferraum, sondern ins Handschuhfach. Damit hat man sie im Fall einer Panne oder eines Unfalls griffbereit. Die Westen sollten vor Licht geschützt gelagert werden. Ist der fluoreszierende Stoff zu lange der Sonnenstrahlung ausgesetzt, leuchtet er im Dunkeln nicht mehr. Die TÜV-Süd-Experten empfehlen außerdem, im Wageninneren einen Aufkleber anzubringen, der an das Anlegen der Warnweste erinnert. Mehrere Warnwesten sollten Fahrer im Auto haben, die oft mit einem Beifahrer oder der ganzen Familie unterwegs sind. So können auch die Mitfahrer beim Sichern von Unfall- oder Pannenstelle helfen.
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