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Gesundheit & Medizin
Die meisten Regierungen und Banker sind mit der Finanzkrise
überfordert. "KURIER"-Kommentar von Reinhard Göweil: "Politiker und Manager von
trauriger Gestalt" © OTS 06.10.2008 15:32:01 - Am Samstag kritisierte die deutsche Kanzlerin Merkel die irische Staatsgarantie für die Einlagen, am Sonntag machte sie genau dasselbe in ihrem Land. Am Samstag wehrte sich der britische Premierminister gegen einen EU-weiten Rettungsplan für die Banken, am Montag sickerte durch, dass die Briten genau so etwas im Vereinigten Königreich planen. Am Donnerstag hieß es vom Vorstand der deutschen Hypo Real Estate, man benötige 35 Milliarden Euro, um zu überleben. Wenige Tage später waren es 50 Milliarden. Der Unicredit-Chef behauptet seit Monaten, die Finanzkrise wäre keine arge Belastung für das Institut, mittlerweile sind aus 600 Millionen Euro Abschreibungen etwas mehr als zwei Milliarden geworden, zukunftsträchtige Investitionen in Osteuropa werden mangels Geld auf Eis gelegt. Diese Beispiele ließen sich fortsetzen, und sie untermauern eines: Die meisten Regierungschefs, Finanzminister, aber auch (sehr hoch bezahlte) Bankdirektoren schätzten die Finanzkrise bis zum Schluss falsch ein. Der Satz, dass die Krise eine amerikanische sei und Europa wenig damit zu tun habe, ist erst wenige Tage her, schaut aber schon ziemlich alt aus. Wenn also vom Verlust des Vertrauens ins Finanzsystem die Rede ist, so sollte nicht nur mit dem Finger auf Spekulanten gezeigt werden, die alles auslösten. Auch Regierungen, Aufsichtsbehörden und Vorstandsetagen großer Banken haben ihr Scherflein dazu beigetragen. Eine Horror-Vision.
(live-PR.com) - Der Einzige, der die Lage offenkundig richtig einschätzte, war Frankreichs Präsident Sarkozy. Sein Vorschlag, dass Europa gemeinsam mit einem Rettungspaket antworten solle, wäre adäquat gewesen. Und dass in dieser Situation auch noch über Sinn und Unsinn der im Maastrichtvertrag definierten Drei-Prozent-Defizit-Grenze debattiert wird, ist endgültig zum Haareraufen. Deutschland garantiert für 570 Milliarden Euro Spareinlagen, wer fragte da nach Maastricht-Kriterien? Zudem steht die EU vor dem Problem, dass die Banken in Europa eine größere Rolle bei der Finanzierung der Wirtschaft spielen als in den USA. Es ist also zu erwarten, dass die Auswirkungen auf die "reale Konjunktur" in Europa hartnäckiger sein werden als in Amerika. Wenn bei der Bewältigung der größten Krise seit 1929 die Verantwortlichen aufgescheucht wie die Hendln von ergebnislosem Meeting zu ergebnislosem Meeting rasen, wie soll nun ein EU-weites Konjunkturprogramm zustande kommen? Und so ein Programm für die Wirtschaft ist dringend notwendig, um wenigstens die mittelfristigen Folgen der Krise zu mildern.
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OTS0198 2008-10-06/15:28
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