(Feature) Kubas Schätze in deutscher Provinz - Unternehmen aus Waldshut-Tiengen ist deutscher Alleinimporteur für kubanische Zigarren --Von ddp-Korrespondent David Rollik-- (Mit Bildern und Datenblatt)
(© ddp) 10.05.2008 08:38:07 - Der Weg ins Paradies für Zigarrenraucher führt an den Südrand des Schwarzwaldes. In Sichtweite zur Schweizer Grenze lagern in Waldshut-Tiengen hinter dicken Stahltüren und gut bewacht auf mehreren Hundert Quadratmetern an die sechs Millionen kubanische Zigarren, so genannte Habanos. Alle 28 bekannten Marken wie Cohiba oder Montecristo stapeln sich in der klimatisierten Halle des deutschen Alleinimporteurs 5th Avenue Products Trading GmbH in zwei Ebenen bis unter die Decke, gelagert bei zwischen 18 und 19 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von konstant 65 Prozent.
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Waldshut-Tiengen (ddp). Der Weg ins Paradies für Zigarrenraucher führt an den Südrand des Schwarzwaldes. In Sichtweite zur Schweizer Grenze lagern in Waldshut-Tiengen hinter dicken Stahltüren und gut bewacht auf mehreren Hundert Quadratmetern an die sechs Millionen kubanische Zigarren, so genannte Habanos. Alle 28 bekannten Marken wie Cohiba oder Montecristo stapeln sich in der klimatisierten Halle des deutschen Alleinimporteurs 5th Avenue Products Trading GmbH in zwei Ebenen bis unter die Decke, gelagert bei zwischen 18 und 19 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von konstant 65 Prozent.
Bis 1989 versorgten mehrere Importeure den deutschen Markt mit Zigarren aus Kuba, dann gründete der Schweizer Unternehmer Heinrich Villiger in Waldshut-Tiengen 5th Avenue, den weltweit ersten Exklusiv-Importeur für Habanos. 55 Prozent des Unternehmens mit seinen heute 35 Mitarbeitern gehören dem staatlichen kubanischen Tabakkonzern Habanos S.A., der Rest Villiger.
Villigers Großmutter Louise hatte Anfang des 20. Jahrhunderts die Idee, den Schritt über die Grenze zu machen und eine Zigarrenfertigung in Deutschland aufzumachen, um Importzölle zu vermeiden, sagt Marketing-Chef Christoph Puszkar. Vom Südschwarzschwald in den Rest der Republik seien die Wege zwar weit, «aber den Stammsitz aufzugeben kam aus den historischen Gründen nicht in Frage».
Die Zigarren werden vom kubanischen Flughafen Varadero nach Frankfurt am Main transportiert und anschließend nach Waldshut-Tiengen, wo sie zunächst sieben Tage bei Minus 20 Grad eingefroren wedren. «Dann sind die Zigarren in den Kisten im Umkarton so durchgefroren, dass - sofern vorhanden - alle lebenden Tabakkäfer oder Larven getötet sind», sagt Puszkar. Schließlich werden noch die Steuerzeichen sowie die Warnhinweise auf die Kisten geklebt.
An die 3000 Kunden beliefert 5th Avenue mit Zigarillos und Zigarren, vom Kiosk bis zum Großhandel. Das Gesamtsortiment gibt es ausschließlich in den «Casas del Habano», den Flagship-Stores in derzeit Berlin, Köln, Nürnberg, Hamburg und Düsseldorf. Darunter angesiedelt sind um die 70 «Habanos-Specialists», Händler, die ein Mindestsortiment und besonderes Produktwissen verfügen müssen.
Ende der 90er kam es durch plötzlichen New-Economy-Reichtum zu einem regelrechten Zigarrenboom. «Da kam dann auch schon mal jemand mit seinem Porsche und ließ sich den Kofferraum voller Cohibas packen», erinnert sich Puszkar. «Doch mit dem Ende der New Economy und dem 11. September 2001 brach das jäh ein.» Der Markt hat sich Puszkar zufolge aber schnell wieder erholt. «Luxusprodukte sind relativ krisenfest», sagt Puszkar. Den Habanos-Anteil bei Premium-Zigarren schätzt er auf 50 Prozent.
Die vergangenen Jahr wuchs 5th Avenue weiter, «nicht mehr zweistellig, wie in den Boom-Jahren bis Ende der 90er, aber wir sind guten Mutes», sagt Puszkar, der keine Angaben zu Verkaufszahlen seines Unternehmes machen will. Doch die Rauchverbote werden auch dem Habanos-Importeur einen «kleinen Dämpfer» verpassen, glaubt Puszkar. Zu groß sei die Verunsicherung, wo man wie noch rauchen dürfe.
Puszkar zufolge gibt es in Deutschland 45 Unternehmen, die Zigarren importieren oder produzieren. «Die Anti-Raucherkampagne wird hier zu einer Marktbereinigung führen», glaubt er. Auch im Einzelhandel würden Unternehmen auf der Strecke bleiben, die sich nur auf Tabakprodukte fokussierten und nicht beispielsweise auf ein Genusskonzept setzten und zusätzlich zu Tabak beispielsweise Schokoladenspezialitäten anböten.
Und so rechnet auch der Bundesverband der deutschen Zigarrenindustrie für 2008 nach 2007 erneut mit Absatzeinbußen. Verbandsreferent Bodo Mehrlein schöpft aber insbesondere aus der Entwicklung in Italien Optimismus. Dort sei der Zigarrenabsatz seit Inkrafttreten des Rauchverbots angestiegen. Die Lage in Deutschland vermag er aber noch nicht abzuschätzen. Es sei nicht bekannt, welche Änderungen es noch durch Gerichtsurteile und den Gesetzgeber geben werde. Bis dahin rät Mehrlein Zigarrenrauchern, durch Besuche in Lokalen, in denen sie noch erwünscht seien, ein Zeichen zu setzen.
(5thavenue.de; zigarren-verband.de; zigarrenplattform.de)
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