Ausgabe vom 4. Dezember 2008
Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Opposition in der Krise"
© OTS
03.12.2008 18:30:02 Die globale Krise nutzt in vielen Ländern den jeweiligen Oppositionsparteien verblüffend wenig. Krisenzeiten sind offensichtlich keine gute Zeit für Parteien, die von radikalen Ideen schwadronieren oder sich nur einem einzigen Anliegen widmen. Die Menschen flüchten bei Donner und Blitz lieber zu bewährten Gruppierungen - seien diese noch so abgenutzt und profillos. Zumindest solange sie in der Krise nicht allzu offensichtlich versagen.
(live-PR.com) - Kann deshalb die heimische Koalition schon jubeln? Nur in Maßen. Ihre Überlebenschancen sind durch die Krise halt ein paar Prozentpunkte gewachsen. Zugleich nützt es Rot und Schwarz, dass die Opposition derzeit überhaupt nicht Fuß fassen kann und die eigene Glaubwürdigkeit ständig reduziert. Die Wähler bekommen nur mit, dass da ständig irgendwer mit irgendwem aus irgendwelchen eher unklaren Ressentiments heraus nicht
kann oder will.
Ihnen wird in keiner Weise die notwendige Botschaft vermittelt, dass hier eine kraftvolle Alternative zum bestehenden Regierungsblock bereitstünde. Da eine wirtschaftsliberale Opposition wie in Deutschland fehlt, bietet auch die Wirtschaftspolitik keine Differenzierung gegenüber der Regierung: Da wie dort segelt man derzeit primär auf sozialdemokratischem Kurs. In jeder Frage "Mehr!" zu fordern, ist aber keine ausreichende Alternative.
Ansonsten schaffen gerade noch die Grünen ein einziges Alleinstellungsmerkmal: nämlich in Sachen Asylantenfreundlichkeit. Bei diesem Thema ist nämlich die Regierung den beiden Rechtsparteien deutlich näher gerückt. Der Rest ist Schweigen. Die Themen früherer politischer Erregung - vom angeblichen Pflegenotstand bis zum Heeres-Einsatz - lösen heute nur noch Gähnen aus.
Kurzum, die Opposition steht heute sehr arm da.
*
Der Chef des Automobilkonzerns Ford will um einen Dollar pro Jahr arbeiten. Wer vom Steuerzahler Geld will und zehntausende Arbeitsplätze abbauen muss, tut gut daran, kräftige Symbole dafür zu setzen, dass er die Notlage auch ganz persönlich ernst nimmt. Was nicht alle Firmenchefs begreifen.
Ein wirklich nachhaltiges Konzept ist die Formel Ford aber nicht: Denn gute Führungskräfte wird man zum Nulltarif wohl nicht finden. Aber ohne solche ist der Untergang noch viel sicherer...
www.wienerzeitung.at/tagebuch
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:redaktion@wienerzeitung.at
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OTS0330 2008-12-03/18:26
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Ihnen wird in keiner Weise die notwendige Botschaft vermittelt, dass hier eine kraftvolle Alternative zum bestehenden Regierungsblock bereitstünde. Da eine wirtschaftsliberale Opposition wie in Deutschland fehlt, bietet auch die Wirtschaftspolitik keine Differenzierung gegenüber der Regierung: Da wie dort segelt man derzeit primär auf sozialdemokratischem Kurs. In jeder Frage "Mehr!" zu fordern, ist aber keine ausreichende Alternative.
Ansonsten schaffen gerade noch die Grünen ein einziges Alleinstellungsmerkmal: nämlich in Sachen Asylantenfreundlichkeit. Bei diesem Thema ist nämlich die Regierung den beiden Rechtsparteien deutlich näher gerückt. Der Rest ist Schweigen. Die Themen früherer politischer Erregung - vom angeblichen Pflegenotstand bis zum Heeres-Einsatz - lösen heute nur noch Gähnen aus.
Kurzum, die Opposition steht heute sehr arm da.
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Der Chef des Automobilkonzerns Ford will um einen Dollar pro Jahr arbeiten. Wer vom Steuerzahler Geld will und zehntausende Arbeitsplätze abbauen muss, tut gut daran, kräftige Symbole dafür zu setzen, dass er die Notlage auch ganz persönlich ernst nimmt. Was nicht alle Firmenchefs begreifen.
Ein wirklich nachhaltiges Konzept ist die Formel Ford aber nicht: Denn gute Führungskräfte wird man zum Nulltarif wohl nicht finden. Aber ohne solche ist der Untergang noch viel sicherer...
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