Wirtschaft & Industrie


Kassels Regiotram nimmt nach jahrelanger Vorbereitung Fahrt auf

Durchbruch für ÖPNV-Vorzeigeprojekt


Durchbruch für ÖPNV-Vorzeigeprojekt ©ddp

ddp) 15.08.2007 12:19:03 - Am kommenden Sonntag beginne «das Herz unseres nordhessischen
Regiotram-Systems zu schlagen» - so blumig und nicht ohne Pathos
kündigt der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) die Eröffnung eines
Tunnels an, der das Regionalbahnnetz im Kasseler Umland mit dem
Straßenbahnnetz der Innenstadt verbindet.


(live-PR.com) -

Kassel (ddp-hes). Am kommenden Sonntag beginne «das Herz unseres nordhessischen Regiotram-Systems zu schlagen» - so blumig und nicht ohne Pathos kündigt der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) die Eröffnung eines Tunnels an, der das Regionalbahnnetz im Kasseler Umland mit dem Straßenbahnnetz der Innenstadt verbindet. Zunächst nur aus Wolfhagen und später auch aus weiteren Orten kann man mit der Regiotram ohne umzusteigen direkt ins Kasseler Zentrum fahren. Nach Karlsruhe und Saarbrücken, die ähnliche Nahverkehrssysteme eingeführt haben, sorgt nun Kassel für Aufsehen. Im vergangenen Jahr kamen 30 internationale Delegationen nach Nordhessen, um sich über das Projekt zu informieren.
Der NVV kaufte 28 eigens für ihn gefertigte Triebwagen, die auf Regionalbahn- und Straßenbahngleisen fahren. Für die Strecken, die nicht elektrifiziert sind, gibt es zehn Hybridfahrzeuge, in denen ein Dieselaggregat den Strom für den Antrieb erzeugt. Alle Züge sind voll klimatisiert und besitzen Niederflur-Einstiege. Sie werden Kassel außer mit Wolfhagen auch mit Warburg (Nordrhein-Westfalen), Melsungen und Schwalmstadt verbinden. Der NVV erhofft sich dadurch einen Zuwachs an Fahrgästen von bis zu 50 Prozent.
Obwohl nicht wie bei S-Bahn-Strecken die Gleisanlagen aufwendig umgebaut werden mussten, sind die Investitionen erheblich: 180 Millionen Euro kamen zusammen. Der Bund und das Land Hessen übernahmen 85 Prozent, den Rest trugen die Kommunen und Landkreise entlang der Strecken. Das Vorzeigeprojekt blieb nicht verschont, als der Bund im vergangenen Jahr die Zuschüsse für den Regionalverkehr kürzte. So musste der NVV einige der geplanten Regiotram-Fahrten nach Warburg streichen.
Schon vor etwa zehn Jahren begannen die Diskussionen über eine Regiotram. Zunächst geplante Termine für den Baubeginn und die Fertigstellung mussten immer wieder verschoben werden. So konnten sich die Parteien in Kassel lange nicht auf eine Streckenführung in der Innenstadt einigen. In den vergangenen Monaten waren dann an einigen Strecken - wie bei solchen Großprojekten durchaus üblich - Nachbesserungen nötig. Doch inzwischen nimmt das «Jahrhundertwerk», wie es der Kasseler Landrat und NVV-Aufsichtsratsvorsitzende Udo Schlitzberger (SPD) gerne nennt, Formen an.
Zwar waren auch an den Regionalbahn- und Straßenbahnstrecken Umbauten nötig - etwa an einigen Haltestellen - doch die größte Maßnahme ist die etwa 26 Millionen Euro teure Umrüstung des ehemaligen Kasseler Hauptbahnhofes. Der bisherige Kopfbahnhof musste mit einem Durchstich versehen werden, damit die Regiotram in die Innenstadt rollen kann. Ein 170 Meter langer Tunnel wurde deshalb unter der denkmalgeschützten Bahnhofshalle gegraben. Dazu wurde das klassizistische Bauwerk aufwendig abgestützt.
Daneben gab es eine weitere Herausforderung: Der Verkehrsknotenpunkt ist seit zwölf Jahren ein «Kulturbahnhof» mit Kinos, Restaurants, Ausstellungsräumen, Läden und Büros. Dort musste der Betrieb ganz normal weiterlaufen.
Obwohl das «Herz» der Regiotram ab Sonntag schlagen soll, fließt noch nicht alles wie geplant. Die Infrastruktur ist nicht an allen Stellen fertig, unter anderem muss noch ein Wendepunkt in Kassel gebaut werden. Auf einigen Strecken ist deshalb nur ein eingeschränkter Verkehr möglich. 2010 - so die Planung des NVV - soll die nordhessische Mini-S-Bahn dann fertig sein.
(ddp) © ddp




 

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