Banken & Finanzen


Trading als Verlustgeschäft – eine nüchterne Betrachtung

Das Testergebnis von 150 käuflichen vollautomatischen Handelssystemen



09.02.2012 16:41:12 -

 

(live-PR.com) -
Der Traum vom ganz großen und schnellen Geld wird nach wie vor noch immer geträumt und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten war und ist ein solcher Traum für viele Kleinanleger eine Art Rettungsanker und ein Gegenpol zu den teils sehr unattraktiven Finanzprodukten der regulären Geldinstitute. Nichts scheint im Computerzeitalter unmöglich und so ist es nur ein kleiner Schritt hin zum persönlichen Trading. Mit wenig oder keiner Erfahrung wird ein Handelskonto bei einem der unzähligen Broker eröffnet und binnen kürzester Zeit mit einem Totalverlust an die Wand gefahren. So ergeht es Monat für Monat Tausenden von Kleinspekulanten, aber auch versierte Profis bleiben von teils massiven Verlusten nicht verschont.

Im Unterschied zu den Märkten der 70er und 80er Jahre, welche im Gegensatz zu heute um ein Vielfaches ruhiger, gerichteter und konstanter verliefen, brach mit dem Aufkommen der Computer ein völlig neuer Abschnitt des Tradings an. Spricht man heute mit erfahrenen Händlern und Spekulanten von einst, so herrscht die einhellige Meinung vor, dass die Märkte kaum mehr greifbar geworden sind und Charttechnik im übergeordneten Sinn keinen wirklichen Nutzen mehr hat. Alte Regeln und Börsenweisheiten werden in einer Art und Weise ad absurdum geführt, dass ein Handeln danach den unweigerlichen finanziellen Ruin bedeutet.

Mit der immer schneller vorwärts schreitenden Entwicklung auf dem Computersektor, kamen schon bald erste Handelssysteme in Form sog. Grey- und Blackboxes auf, welche unfehlbar schienen und für einen geringen Betrag ab etwa 50 US-Dollar erstanden werden konnten. Im Laufe der Zeit wurden diese Handelssysteme immer komplexer und kaum jemand verstand sich darauf, diese Systeme wirklich effektiv einzusetzen. Bei einer Greybox handelt es sich um ein teilautomatisches System, welches anhand spezieller Einstellungen an die Marktgegebenheiten angepasst werden kann und so die sich verändernden Marktumfelder kompensiert. In einer Steigerung existierten sog. Blackboxes, welche keine Nachjustierungen mehr zuließen und extrem schnell signaltechnisch veralteten. Es gab sie für eine Vielzahl von Märkten, doch sie verschwanden mit der Zeit allesamt, da die Verluste die Gewinne übertrafen.

In der Neuzeit und mit der Entwicklung neuartiger Programmstrukturen in Form sog. Neuronaler Netze, wurden Mittel und Wege geschaffen, die immer unruhiger verlaufenden Kursmuster zu ordnen und mit Hilfe komplexer Algorithmen zu zähmen. Diese vollautomatischen Handelssysteme sind derart kompliziert aufgebaut, dass für den privat Interessierten kaum mehr eine Chance besteht, hinter die Berechnungen zu blicken und ohne Kenntnisse derselben auf Gedeih und Verderb den Signalgenerierungen ausgeliefert ist. Es existieren vollautomatische Handelssysteme zum Teil nur für ganz spezielle Märkte, da jedes handelbare Instrument anders ist. Ein System, welches bei A funktioniert, kann bei B vollkommen versagen.

Ein automatisches Handelssystem für Devisen oder Rohstoffe hat seinen unbestreitbaren Vorteil darin, dass es die Psyche des Traders unterstützt und jedes generierte Ein- und Ausstiegssignal umsetzt. Weiterführende Erkenntnisse als die programmtechnischen werden nicht berücksichtigt. Somit baut sich ein gewisses Vertrauen auf, da die Unfähigkeit zum Eingehen von Positionen eliminiert wird. Dies ist oft beim manuellen Trading der Fall. Zudem verhindert ein vollautomatisches Handelssystem den Effekt, Gewinnpositionen vorzeitig zu schließen und Verlustpositionen bestehen und anwachsen zu lassen, da ein strenges und effizientes Risikomanagement dies grundsätzlich nicht zulässt. Es gibt nur ein Problem dabei - kein Handelssystem der Welt arbeitet verlustfrei.

Die Märkte, gleich ob Rohstoffe, Devisen, Aktien oder Indices, sind zu komplex, als dass diese sich durch einen Indikator oder ein Konzept erklären oder voraussagen lassen. Jeder einzelne Indikator und jedes noch so gut programmierte Neuronale Netz, kann die Marktentwicklung nur innerhalb einer sehr engen Bandbreite analysieren. Lediglich eine geschickte Kombination von Indikatoren und Zeitrahmen kann diesen Effekt so mitteln, dass sich Positives verstärkt und Negatives abmildert. Hierzu ist jahrelange Erfahrung nötig und jeder Spekulant muss sein ganz eigenes Konzept entwickeln und auf seine ganz bestimmten Erwartungen zuschneiden. Nur so ist ein dauerhaft positives Handeln möglich.

Grundsätzlich muss man wissen, dass es 2 Hauptstrategien beim Handeln gibt. Zum einen ist dies das sogenannte Scalping, also das Erhaschen kleinster Kursveränderungen mit hohem Kapitaleinsatz, hohem Leverage (Hebel), jedoch auch mit außerordentlich hohem Verlustpotential, wenn einige wichtige Regeln nicht beachtet werden. . Da die technischen Voraussetzungen sowie die notwendige Kapitaldeckung derartiges Handeln lediglich wenigen Tradern ermöglicht, bleibt nur die zweite Grundstrategie übrig, das Swing-Trading. Dabei wird so lange in der Position verblieben, bis ein bestimmter Kursbereich durchlaufen wurde. Der Nachteil dieser Form des Handels ist die Langatmigkeit von offenen Positionen, welche immer wieder ihre Gewinne abgeben und schier end- und ziellos pendeln, ehe die wirkliche Bewegung einsetzt und ein Gewinn erwirtschaftet wird. Meist verleitet die Psyche des Spekulanten dazu, die Positionen mit relativ geringem Gewinn vorzeitig zu schließen und die Hauptbewegung zu verpassen. Diesem Effekt unterliegen auch vollautomatische Systeme, da die Gewichtungsvariablen zu träge auf Veränderungen des Oszillator-/Trendwechsels reagieren und fälschlicherweise kleinere Korrekturen als Umkehrpotential interpretieren.

Die derzeit käuflichen, vollautomatischen Handelssysteme sind bis auf sehr wenige Ausnahmen aus dem Sektor der Auftragsprogrammierung nicht für den realen Einsatz zu empfehlen und führen zwangsläufig zu Verlusten. Es ist verständlich, dass das Wissen um ein wirklich funktionierendes Spekulationssystem absoluter Geheimhaltung unterliegt. Es existieren im sogenannten Hochfrequenzhandel Konzepte, welche mehrere Milliarden Dollar wert sind und von einer Hand voll Privatiers zur Reife gebracht wurden. Auch einige Großbanken schlossen sich dieser Entwicklung an, da nur auf diese Weise noch Spekulationsgewinne größeren Ausmaßes realisiert werden können. Auf der Strecke bleiben private Trader, die diesem wissenstechnischen Wettrüsten nichts mehr entgegenzusetzen haben.

Die Firma Qware24 GmbH & Co. KG aus Stuttgart testet seit vier Jahren käufliche vollautomatische Handelssysteme aus der ganzen Welt mit einem Anschaffungspreis von EUR 35,00 bis EUR 4.800,00 und kam im Laufe der Zeit zu einem eher ernüchternden Resultat. Im Test wurden Systeme für Devisen und Rohstoffe mit echtem Kapital im Rahmen von EUR 10.000 bis EUR 100.000 und anhand echter Marktbedingungen auf ihre Verlässlichkeit untersucht. Unter den Testkandidaten war lediglich ein einziges Handelssystem, welches mit einem durchschnittlichen Jahresgewinn von 4,6 Prozent hervorstach. Jedoch war die Anzahl der generierten Signale sehr gering und lag nur etwa bei 6 Trades im Monat. Obwohl es profitabel war, liegt in dieser geringen Signalgenerierung eine große Gefahr, da es leicht zu Verzerrungen innerhalb des Gefüges kommen kann und die Gewinne nicht kontinuierlich und gleich hoch auftreten. 3 Handelssysteme erwirtschafteten gerade die Kosten für die Trades (Spread), lagen also im Schnitt bei Null. 82 Handelssysteme erwirtschafteten zu Beginn Gewinne und drehten innerhalb 8 bis 30 Wochen in die Verlustzone. Die Anzahl der Trades lag bei 12 bis 674 pro Monat. 64 Handelssystemen waren sofort von Beginn an absolute Verlustbringer, bei denen die vorher veröffentlichten Ergebnisse beschönigt, gefälscht oder erfunden waren.

Die Strategien dieser Verlustkandidaten waren vielfach derart, dass kontinuierlich gegen größere Trendbewegungen Engagements gestartet und zudem noch pyramidisiert wurden. In der Gänze ein Himmelfahrtskommando, da bei einem Trend nie vorschnell auf einen Wechsel desselben gewettet werden sollte. Die Grundlage bildeten Oszillator-Konzepte, welche in einem Trendmarkt das sichere Ende bedeuten. Bedingt durch die Hebelung der Kontrakte war bald ein derart großer Draw Down erreicht, dass das verbliebene Kapital des Handelskontos nicht mehr ausreichte, diese Verlustpositionen länger offenzuhalten. Die Positionen wurden spätestens durch die Brokerbank ausgestoppt und die Engagements waren verloren. Zudem lagen die Schwankungsbreiten mit 42 bis nahe 100 Prozent zu hoch, als dass daraus ein vernünftiges Ergebnis abgeleitet werden könnte. Jede Buy-And-Hold-Strategie wäre letztlich profitabler gewesen.

Abschließend kann festgestellt werden, dass jedes Handelssystem einer verlässlichen Grundlage bedarf, welche in mühevoller Arbeit aus den Marktgegebenheiten extrahiert und verfeinert werden muss. Nur auf diese Weise ist es möglich, beständige Gewinne zu erwirtschaften und widrige Marktphasen weitestgehend zu ignorieren. Ein erfolgreicher, amerikanischer Börsianer sagte zu diesem Thema einmal, dass eine gute Handelsstrategie entweder erfolgreich oder aber käuflich ist, wobei dem eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ist. Fleiß und Ausdauer werden belohnt, Oberflächlichkeit und Hektik sind zum Scheitern verurteilt. Wer nicht in der Lage ist, eine Lernphase von 3 bis 5 Jahren finanziell und psychisch durchzustehen und den Willen und das Know-How hat, selbst eine Strategie zu entwickeln, sollte die Finger davon lassen, weil dies zwangsläufig zu Verlusten, bis hin zum Totalverlust führen wird.

Sollte ein Leser sich dennoch dazu entschließen, ein Handelssystem zu erwerben, sollten im eigenen Interesse folgende Punkte beherzigt werden:

1) Seit wann bietet der Anbieter das Handelssystem an? Hier ist nicht der Zeitpunkt gemeint, den der Anbieter nennt, sondern, wie lange dieser nachprüfbar auf dem Markt ist. Da die meisten Handelssysteme schon nach einigen Monaten wieder vom Markt verschwinden, sollte das Handelssystem mindestens schon seit 24 Monaten angeboten werden. Hier versuchen, Anbieter von Handelssystemen immer wieder, die Interessenten zeitlich unter Druck zu setzen, indem sie vorgeben, dass das Handelssystem nur limitiert verkauft oder der Preis innerhalb kürzester Zeit deutlich erhöht wird. Dies entpuppt sich in bisher allen bekannten Fällen als Betrugsmasche. Ein gutes Konzept wird mit der Zeit niemals schlechter, sondern besser. Es gibt keinen vernünftigen Grund, dieses vom Markt zu nehmen oder zu verteuern.

2) Basieren die zurückliegenden Ergebnisse auf Echtgeld-Konten mit realem Kapital im Rahmen von 10.000 bis 100.000 Euro oder lediglich auf Ergebnissen von Demo-Konten oder Echtgeld-Konten im Rahmen von einigen Hundert oder wenigen Tausend Euro? Wenn der Anbieter das eigene System bisher selbst nicht mit einem höheren Kapitaleinsatz genutzt hat, sollten beim kaufwilligen Interessenten die Alarmglocken klingeln. Es sollte die Frage erlaubt sein, warum der Anbieter das Handelssystem, welches positive Ergebnisse erzielt, nicht selbst mit ausreichend Kapital nutzt. Die ehrliche Antwort würde vermutlich lauten, dass dieser entweder das gesamte Kapital verloren hat oder er das Risiko des Totalverlustes scheut.

3) Ist der Anbieter des Handelssystems bereit, dem Kaufinteressenten ein Investorenpasswort eines Echtgeld-Kontos zur Verfügung zu stellen, mit dem dieser auf das Handelskonto schauen und die historischen Ergebnisse mit den veröffentlichten Ergebnisse vergleichen kann? Wenn es diese Möglichkeit nicht gibt, sind die Ergebnisse in der Regel gefälscht und der Käufer läuft in den häufigsten Fällen Gefahr, einem Betrüger auf den Leim zu gehen.

4) Muss der Käufer einen Geldbetrag, gleichgültig wie gering dieser ist, vorab als Kaufpreis, oder als einmalige oder monatliche Lizenzgebühr zahlen, bevor das Handelssystem auch nur einen geringen Gewinn erwirtschaftet hat, hat der Anbieter des Handelssystems lediglich seinen Vorteil im Blick. Auch Geld-zurück-Garantien bieten hier keinen wirklichen Vorteil, denn betrügerische Anbieter verschwinden einfach nach einigen Wochen oder Monaten vom Markt, eröffnen unter einem anderen Namen eine identische Firma oder Website und verkaufen erneut das gleiche Konzept mit einem wohlklingenden Namen, jedoch mit noch größerem Werbeaufwand, um das Geld naiver Kunden verstärkt dafür zu nutzen, weitere Unverbesserliche anzuziehen. Immer dann, wenn Kosten vorab entstehen und der Anbieter des Handelssystems nicht bereit ist, von den zukünftigen Gewinnen bezahlt zu werden, kann seitens des Käufers davon ausgegangen werden, dass dieser sicher ist, dass beim Käufer kurzfristig nichts mehr zu holen sein wird.

5) Nur dann, wenn der Anbieter auch Verluste der Vergangenheit veröffentlicht, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein echtes Handelssystem. Es gibt annähernd kein Handelssystem welches über einen längeren Zeitraum ausschließlich Gewinne erwirtschaftet. Und die wenigen Systeme, die hierzu für einen überschaubaren Zeitraum in der Lage waren, werden üblicherweise mit einem so hohen Risiko getradet, dass ein einziger Verlust oder eine kurze Verlustserie ausreicht, um einen Totalverlust des gesamten Handelskapitals zu verursachen.

6) Sollte der Anbieter eines Handelssystems mit einem Leverage (Hebel) von über 1:100 rechnen, ist das Totalverlustrisiko besonders hoch. Es ist mathematisch nachvollziehbar, dass bei solchen Berechnungen die Gewinne und Verluste entsprechend vergrößert werden können.

7) Bietet der Verkäufer des Handelssystems nicht an, dass der Käufer ihn besuchen kann, um einen Blick auf seine eigenen Echtgeld-Handelskonten zu werfen und die historischen Ergebnisse mindestens eines vollständigen Jahres mit den veröffentlichten Ergebnissen zu prüfen, hat er offensichtlich etwas zu verbergen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass die veröffentlichten Ergebnisse erfunden, gefälscht oder beschönigt sind.

Wenn nur eines der genannten Ausschlusskriterien für den Interessenten oder Käufer nicht zufriedenstellend gelöst ist, ist mit hoher Sicherheit davon ausgehen, dass der Erfolg ähnlich wie die Erfolgsquote der oben genannten Handelssysteme sein wird. Transparenz und Seriosität sind in dieser Finanznische dünn gesät. Es gilt nirgendwo wie in diesem Markt, mit Geduld und Fachkompetenz die Spreu vom Weizen zu trennen.



Kontaktinformation:
Qware24 GmbH & Co.KG

Julius-Hölder-Str. 48
70597 Stuttgart

Kontakt-Person:
Hans J. Hildebrandt
Geschäftsführer
Telefon: 0711 9456 3626
E-Mail: e-Mail

Web: http://www.Qware24.com


Autor:
Hans J. Hildebrandt
e-mail
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