«Social Networking» wird auch für Schüler zum Alltag - SchülerVZ als Pendant zum StudiVZ Von Mona Clerico
Computer & Cyberspace Freundschaft 2.0
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25.09.2007 02:09:22 -
(live-PR.com) -
München (AP) Nach dem großen Erfolg der Studenten-Community StudiVZ machen nun auch Schüler beim «Social Networking» mit: Mit dem SchülerVZ hat die studiVZ Ltd., die seit Januar zur Verlagsgruppe Holtzbrinck gehört, vor einem halben Jahr ein Portal für Jugendliche ab zwölf Jahren ins Netz gestellt, bei dem sich inzwischen 1,3 Millionen Nutzer angemeldet haben.
Wer mit dem tollen Typen aus der Nachbarklasse in Kontakt kommen möchte, den virtuellen Austausch mit dem Banknachbarn über die Hausaufgaben von morgen sucht oder sich einfach früh üben will, um einmal ein richtiger Netzwerker zu werden, der kann sich mit Angabe von Namen, Schule und Geburtstag beim SchülerVZ anmelden. Freiwillig kann man weitere Informationen wie Beziehungsstatus (solo, vergeben) oder geliebte und verhasste Schulfächer eingeben und sich im Feld «Über mich selbst» in beliebiger Ausführlichkeit charakterisieren. Das so erstellte Profil kann durch Fotos ergänzt werden.
Die optische Aufmachung des Schüler-Verzeichnisses ist Geschmackssache: Die Seiten sind überwiegend in Pink und verschiedenen Rosé-Tönen gehalten - Nutzer versichern jedoch, dass man sich daran gewöhne. Ansonsten kommt der Stil des Portals bei der jugendlichen Zielgruppe gut an. «Keine komischen Formulierungen, die keiner versteht, sondern präzise und locker auf den Punkt gebracht das wirkt freundlicher, und für junge Leute wie mich ist es super», erklärt der 18-jährige Nils, der die 13. Klasse eines Gymnasiums besucht und im März der Community beigetreten ist.
Zwtl: «Massengruscheln
Eine «Freundschaftskette» zeigt auf jeder Profilseite an, über wie viele Ecken man das dort vorgestellte Mitglied kennt. Auf der persönlichen Startseite erfährt man, wer zuletzt das eigene Profil besucht hat, ob einen jemand als Freund hinzufügen will und von wem man «gegruschelt» (gegrüßt und gekuschelt) wurde. Das Kunstwort «Gruscheln», das es schon beim StudiVZ gibt, hat inzwischen Kultstatus erlangt und wurde von den Betreibern beim Deutschen Patent- und Markenamt in München (DPMA) als Wortmarke angemeldet.
Allerdings wird diese Form der Kontaktaufnahme auch missbraucht, und zwar in Form des sogenannten «Massengruschelns». Eine Person, die in der Community eine unerwünschte Meinung äußere, werde mitunter bestraft, indem sie von zehntausenden Mitgliedern gleichzeitig «gegruschelt» werde, berichtet der 16-jährige Gymnasiast Felix aus Sandhausen. «Manchen Leuten bleibt schließlich nichts anderes mehr übrig, als sich abzumelden.
Der Schwerpunkt der Community ist die Vernetzung mit anderen Jugendlichen im unmittelbaren Umkreis, und so werden einem zunächst Personen aus der eigenen Schule und dann aus der selben Stadt als mögliche Kontakte angezeigt. «Oft ist es so, dass man beispielsweise Leute aus der Parallelklasse, mit denen man bisher wenig zu tun hatte, als Freunde hinzufügt und sich dadurch die Chance eröffnet, sich auch im realen Leben zu befreunden», hat die 15-jährige Catarina erfahren. Weil fast alle ihre Schulkameraden schon dabei waren, hat sie sich vor wenigen Wochen ebenfalls angemeldet.
Wer beim SchülerVZ nicht mitmache, verpasse viel und werde in der Schule oft einfach übergangen, berichten die Schüler. Über die Community werde beispielsweise beschlossen, wofür die Klassenkasse verwendet werde oder wohin man ins Landschulheim fahre. Auch die üblichen Lästereien über Lehrer und unbeliebte Mitschüler hätten sich weitgehend vom Schulhof ins SchülerVZ verlagert. «Von den 110 Leuten in meiner Stufe sind gerade mal 15 nicht drin», sagt Elftklässler Felix.
Eine Kooperation mit Yahoo ermöglicht die Nutzung verschiedener Yahoo-Suchfunktionen auf den VZ-Seiten. Unter dem Menü gibt es eine Navigation, die Top-Suchbegriffe anzeigt. Diese verlinken zu Yahoo. Mit der Namenssuche kann man Freunde und Wegbegleiter von früher ausfindig machen. Ein Schüler erzählt, er habe auf diesem Weg eine Urlaubsbekanntschaft wiedergefunden, die er vor Jahren aus den Augen verloren habe. Andere haben den Kontakt zu alten Grundschulfreunden wiederhergestellt.
Zwtl: Vegetarier mit Schmetterlingen im Bauch
Jedes angemeldete Mitglied kann an bis zu 101 der insgesamt 820.000 Diskussionsgruppen teilnehmen und selbst neue Gruppen gründen. Es gibt Gruppen zu Musikvorlieben oder Sportarten, aber auch regional begrenzte Zusammenschlüsse wie den von Besuchern einer bestimmten Disko. Wer den ernsthaften Gedankenaustausch sucht, kann über das Wahlrecht ab 14 diskutieren. Wem eher nach Spaß und Unsinn zumute ist, der findet vielleicht Gefallen an der Gruppe «Anonyme Luftpolsterfoliezerdrücker» oder an der Fragestellung «Dürfen Vegetarier eigentlich Schmetterlinge im Bauch haben
Die Offenheit der Gruppen bringt allerdings auch Gefahren mit sich, und so gab es in der kurzen Geschichte des Schüler-VZ bereits zahlreiche Beschwerden über verbotene sexistische, rechtsradikale und antisemitische Postings. Im Juli wurde eine Verwarnung von der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Dienste (FSM) ausgesprochen, im August erstattete der Vater einer 13-jährigen Schülerin Anzeige wegen der Verbreitung pornographischen Materials und Volksverhetzung. Die Betreiber haben einige Gruppen gelöscht, Filter installiert und Regeln für den Umgang miteinander in ihre Website aufgenommen, betonen allerdings auch, dass sich nicht jeder Beitrag kontrollieren lasse.
Die studiVZ Ltd. sieht nach wie vor großes Wachstumspotenzial für die Schüler-Community. Die relevante Zielgruppe in Deutschland umfasst sechs Millionen Menschen. Seit Ende vergangenen Jahres sind zahlreiche vergleichbare Netzwerke für Schüler auf dem Markt erschienen, so etwa das Schülerregister, das Schüler Community Center oder auch die Community Schülerprofile. Bisher kann aber aber keiner von diesen hinsichtlich Benutzerzahlen und Reichweite mit dem SchülerVZ konkurrieren.
www.schuelervz.net
www.schuelerrg.de
www.schueler.cc
www.schuelerprofile.de

